Der „enkerltaugliche“ Tourismus wird in Zukunft ein Schwerpunkt im südlichen Waldviertel sein. Die 34 Gemeinden der LEADER-Region Südliches Waldviertel-Nibelungengau und viele Betriebe werden dann gemeinsam als zertifiziertes Modell für regenerativen Tourismus auftreten. Mit der Offensive „LEADER wirkt“ wurden in Yspertal auch die Vorteile und Maßnahmen dieses bedeutendsten, bürgernahem Politikinstruments der EU in ländlichen Räumen vorgestellt.
Seit 2002 arbeiten die Gemeinden des südlichen Waldviertels und des Nibelungengaus im Förderprogramm zusammen und haben dabei nachhaltige Erfolge erzielen können. Durch das Programm LEADER der Europäischen Union wird die Entwicklung der ländlichen Regionen besonders unterstützt. Dieter Holzer, Obmann der LEADER-Region Südliches Waldviertel-Nibelungengau: „Die Bevölkerung kann dabei selbst die Strategie bestimmen, in der Ziele gesetzt, Maßnahmen definiert, und die Kriterien für Förderungen festgelegt werden“. Betriebe, Vereine, Landwirtschaft, Private und Vereine haben seither rund 500 Projekte eingereicht, die mit Fördermitteln in Höhe von 20 Millionen Euro unterstützt wurden. Ein derzeit laufendes Vorhaben widmet sich dem regenerativen Tourismus.
Tom Bauer, Geschäftsführer der Destination Waldviertel stellte im Forellenhof beim Tor zur Ysperklamm das Konzept vor. Ziel ist es, Natur, Kultur und regionale Identität nicht nur zu bewahren, sondern aktiv zu stärken. Im Fokus stehen authentische Naturerlebnisse, etwa Wandern, Waldbaden und regionale Kulinarik, die Besucherinnen und Besucher zur Entschleunigung einladen. Kleine Betriebe, lokale Produzenten und enge Kooperationen bilden das Rückgrat der Strategie. Durch Bildungsangebote und bewusste Besucherlenkung soll ein respektvoller Umgang mit Umwelt und Ressourcen gefördert werden. Konkrete Maßnahmen umfassen neue Erlebnisangebote, ein Wanderkompetenzzentrum sowie gezieltes Marketing. Langfristig soll die Region als Modell für regenerativen Tourismus positioniert werden und sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Impulse setzen.
Das südliche Waldviertel war in der Vergangenheit die 1. zertifizierte Wanderregion Österreichs. Thomas Heindl, der Geschäftsführer der LEADER-Region informierte über die Geschichte des Wanderns im Südlichen Waldviertel und die großen Vorteile dieser Tourismusform. Er präsentierte einzigartige, in den letzten Jahren umgesetzte Projekte, die für die Steigerung der Lebensqualität wichtig waren und sind. Erwähnt hat er dabei den Herzsteinweg, die Aussichtsplattform St. Oswald, den Kultur- und Kräuterweg Bad Traunstein, den Geologiepfad Ysper. „Die regionale Wertschöpfung hat einen Anteil von 80% und dies stärkt die regionalen Betriebe, die Lebensqualität und das Image des gesamten Gebiets“, betonte er.
Der Lebensweg ist ein bedeutender Frequenzbringer im Wandergeschehen. Obfrau Christina Martin berichtete über den 260 km langen Weitwanderweg im südlichen Waldviertel, welcher in 13 Etappen gegliedert ist. Diese zusammenhängenden Einzelrouten lassen einen innehalten und begleiten den Wanderer von der Geburt bis zum Tod und der Auferstehung. Der Einstig ist an jeder beliebigen Stelle möglich. Der Weg führt zu den Kostbarkeiten der Region. Christina Martin zum Motto des Wegs: „Entdecke verborgene Schönheiten der Natur, freu dich an unseren Kulturschätzen – und lass es dir gut gehen!“ 23 Gemeinden und ihre Bewohnerinnen und Bewohner arbeiten zusammen, um ein außergewöhnliches Erlebnis zu bieten.
Das Wandererlebnis ist ein wichtiger Bestandteil der Angebote von Tourismusbetrieben in der Region. Ewald Haider, vom Hotel des Glücks und Obmann des Tourismusverbands Südliches Waldviertel berichtete zum nachhaltigen Tourismus aus Sicht der Betriebe. Aus seiner Perspektive ist nachhaltiger Tourismus für österreichische Betriebe – besonders in Regionen wie dem Waldviertel – entscheidend, um Natur, Kulturlandschaften und Angebotsqualität langfristig zu sichern. Gäste legen zunehmend Wert auf umweltfreundliche und verantwortungsvolle Angebote, was nachhaltiges Handeln zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor macht. Er zeigte sich überzeugt, dass Betriebe, die frühzeitig reagieren, von höherer Nachfrage, klarer Marktpositionierung und konkreten wirtschaftlichen Vorteilen profitieren. Haider: „Ein anerkanntes Gütesiegel, wie das Österreichische Umweltzeichen, stärkt dabei Vertrauen, Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit. Zusätzlich führen nachhaltige Maßnahmen zu Kosteneinsparungen, steigern die Attraktivität als Arbeitgeber und werden durch Förderprogramme unterstützt“.
Die Abgeordnete zum Niederösterreichischen Landtag Silke Dammerer (in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner): „Die in unserer Region geförderte Form des sanften Tourismus ist ideal, da viele Menschen und Betriebe davon profitieren“. Ausflugsziele, Direktvermarkter und Gewerbebetriebe, wie Gastronomie, Hotellerie, Bäckereien und Fleischereien bieten ausgezeichnete Produkte und Leistungen an. Nach ihrer Meinung ist es wichtig, dass die Wirtschaft breit aufgestellt ist und der Tourismus die kleineren Betriebe stärkt. Dammerers Ansicht nach ist die Landwirtschaft ein wichtiger und oft unterschätzter Player, da diese die Landschaft pflegt, gestaltet und erhält. Sie ist überzeugt, dass diese Leistungen unbezahlbar sind und die Menschen Sehnsucht nach idyllischen und authentischen Ausflugs- und Urlaubserlebnissen haben, wie sie in unsere Region angeboten werden.
Zum Abschluss informierte die Bürgermeisterin von Yspertal Veronika Schroll die Besucher beim Tor zur Ysperklamm über die Entwicklung und Besonderheiten dieses Naturdenkmals.

Von links nach rechts: Herta Hackl (Vorstandsmitglied), Tanja Wesely (Vorstandsmitglied), Ewald Haider (Obmann Tourismusverbands Ysper-Weitental), Irene Kammleitner, Christina Martina (Obfrau Lebensweg), Sylvia Rupp (Vorstandsmitglied), Dieter Holzer (Obmann LEADER Region Südliches Waldviertel-Nibelungengau), Markus Brankl (Vereinsvorstand), Silke Dammerer (iV Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner), Thomas Heindl (Gschäftsführer LEADER-Region Südliches Waldviertel – Nibelungengau), Tom Bauer (Geschäftsfüher Destination Waldviertel ), Veronika Schroll (Bürgermeisterin Yspertal), Michaela Böhm-Loidolt (Geschäftsführerin LEADER- Region Waldviertler Grenzland), Alix de la Poeze d’Harambure-Fraye (Vorstandsmitglied)
